Spitzname „Lappo“ kommt nicht von ungefähr


Spitzname „Lappo“ kommt nicht von ungefähr
Hendrik Lapp, künftiger Cheftrainer des SV Bauerbach, ist vor der Herausforderung Fußball-Verbandsliga nicht bange

Aus dem Hinterländer Anzeiger von Christoph Heuser

MARBURG-BAUERBACH . Hendrik Lapp wird zur kommenden Saison beim SV Bauerbach vom Co- zum Cheftrainer befördert. Mit seinen 28 Jahren wird er nach aktuellem Stand der jüngste seiner Art in den hessischen Fußball-Verbandsligen sein.

Auf die Frage, wem er nacheifere, zieht Hendrik Lapp die Augenbrauen nach oben und bläst die Backen auf. Nach einigen Sekunden des Nachdenkens: „Weil ich ein junger Trainer bin, hat mich der ein oder andere mit Julian Nagelsmann verglichen, von meiner Art her sehe ich mich aber eher als einen Jürgen Klopp.“ Der Spitzname „Lappo“ kommt nicht von ungefähr. „Ich habe durchaus einen engen Draht zu den Spielern, sie wissen aber auch, dass ich im Training volle Konzentration und Engagement verlange.“

Wie gelingt es einem 28-Jährigen, der sein eigenes fußballerisches Talent als „nicht mehr als durchschnittlich“ bezeichnet, Cheftrainer eines Verbandsligisten zu werden? In den Bundesligen ist schon seit Jahren der Trend zu beobachten, dass weniger auf ehemalige Spieler gesetzt wird, sondern vermehrt auf Akademiker, die selbst noch im besten Fußballer-Alter sind.

SVB-Boss Edmund Euker verweist darauf, dass er auch in der Vergangenheit gerne mit jungen Trainern zusammengearbeitet hat und ruft die Engagements von Bernd Wiesner sowie Sascha Nahrgang ins Gedächtnis. Hendrik Lapp hat vor einigen Wochen sein Lehramtsstudium abgeschlossen, sei aber „kein typischer Pädagoge“. Er treffe genau den Ton der Spieler. Ein Diktat von oben herab hält Euker für kontraproduktiv. Ein weiterer Vorteil sei, dass sich die Spieler nun auch mal trauen zu sagen, wenn etwas schiefläuft.

Ohnehin sei das Coaching während des laufenden Spiels schon vorher von Lapp ausgegangen. „Wenn wir zum Beispiel 0:2 hinten lagen, war es immer Hendrik, der den Impuls gegeben hat, dass wir vielleicht mal was ändern müssen“, sagt Euker, „jetzt ist er natürlich gefordert, aber er wird mit jedem Training und jedem Spiel dazulernen.“

Dabei hat er immerhin schon 13 Jahre Erfahrung als Übungsleiter gesammelt. Mit 15 startete Lapp als Jugendtrainer beim JFV Weimar/Lahn. „Ich habe nicht daran gedacht, irgendwann mal Trainer zu werden“, erinnert er sich. Er spielte selbst Fußball und war ambitionierter Schiedsrichter. Holger Schneider (FSG Südkreis) brachte den Stein ins Rollen. Er sprach Lapp mit der Bitte an, eine Jugendmannschaft zu übernehmen. In den folgenden Jahren machte sich Lapp in der Szene einen Namen, erwarb 2008 die B-Lizenz und wurde mit dem JFV Weimar/Lahn Kreismeister auf dem Feld und in der Halle.

Ein entscheidender Moment in seiner Karriere ist mit Horst Prenzer verknüpft. Nachdem Lapp selbst aus der A-Jugend herauswuchs, bliebt ihm der Sprung in die Erste der FSG Südkreis verwehrt. „Hätte Horst Prenzer damals gesagt, er sieht in mir den legitimen Nachfolger von Hansi Laus, dann hätte es anders laufen können“, schmunzelt Lapp, der 2012 als Jugendtrainer beim VfB Marburg anheuerte.

In dieser Zeit habe er insbesondere von Sascha Nahrgang und Felix Öchsner vieles mitnehmen können. Nach vier Jahren beim VfB Marburg wollte Lapp eigentlich eine Pause einlegen. „Zuletzt war ich anderthalb Jahre parallel U15-Trainer beim VfB und Spielertrainer bei Südkreis II, stand sechs Tage in der Woche auf dem Sportplatz.“

Lapp studierte Deutsch und Sport auf Lehramt. Lehrer ist sein Traumberuf. „Ich habe durch die Trainertätigkeit gemerkt, dass es mir liegt Inhalte zu vermitteln und ich eine gute soziale Kompetenz besitze“, sagt er. Erstmals sollte das alleinige Augenmerk auf dem Studium liegen. Eine zufällige Begegnung mit Stefan Frels durchkreuzte diesen Plan. Frels stieg gerade mit dem SV Bauerbach in die Verbandsliga auf und suchte einen Assistenten. „Mit so einem Angebot konnte ich natürlich nicht rechnen, fand das Projekt aber spannend.“

Den ersten Auftritt als Co-Trainer hat Lapp noch im Gedächtnis: „Ich war gespannt, wie meine Akzeptanz ist, denn einige Spieler waren älter als ich, aber ich habe versucht durch qualitativ hochwertiges Training zu überzeugen.“ Dem anstehenden Rollenwechsel sieht Lapp nun gelassen entgegen: „Da mache ich mir keine Sorgen“.

Aktuell steckt der SV Bauerbach wie alle anderen Vereine auch mitten in der Kaderplanung. Einem Gespräch folgt das nächste. „Mein Eindruck ist schon, dass unsere Spieler sich freuen, dass ich das Team übernehme.“

In der Vergangenheit gab es immer wieder mal Scharmützel zwischen den SVB-Trainern und Edmund Euker, der ein erfahrener Fachmann ist, aber seine Einschätzungen auch offensiv vertritt. Das Verhältnis zwischen ihm und dem aktuellen Coach Stefan Frels scheint nicht unbelastet zu sein. Harry Preuß, von 2015 bis 2017 als Coach in Bauerbach, poltert noch heute. Angst und Bange ist Hendrik Lapp deswegen nicht: „Ich komme mit Edmund Euker gut klar, wir haben aktuell dieselben Vorstellungen, alles Weitere wird die Zukunft zeigen.“ Und er stellt klar: „Edmund wird sich nicht in meine sportlichen Kompetenzen einmischen.“ Auch Euker selbst ist zuversichtlich: „Hendrik ist nicht so ein aufbrausender Typ, sehr viel gewachsener als andere junge Trainer. Er ist jetzt schon sehr weit.“

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