Gießen/Marburg stellt 11 der 17 Verbandsliga Teams


Aus dem Hinterländer Anzeiger 

Von Rainer Maaß

WETZLAR. Regionaler und somit interessanter als in dieser Saison war die Fußball-Verbandsliga Mitte selten zuvor. Gleich elf der 17 Vereine kommen aus Mittelhessen. Grund genug, abseits der regulären Spielberichte hinter die Kulissen zu schauen. Über Hintergründiges, Kurioses, Witziges aber auch Ernstes soll diese Kolumne in regelmäßigen Abständen berichten.

NUMMERNSALAT: „Das habe ich so in meiner langen Zeit als Stadionsprecher noch nicht erlebt“, schüttelt Walter Matt vom SV Bauerbach fassungslos den Kopf. Der wohl beste Fußball-Platzsprecher Mittelhessens war der Verzweiflung nahe, weil auf dem ihm vorgelegten Spielbericht zum Rundenstart gleich bei sieben (!) Akteuren des SSV Langenaubach die Rückennummern nicht mit denen auf den weißen Trikots übereinstimmten. Und zu allem Überfluss stand es nach 25 Minuten bereits 5:0 für die Gäste. „Torschütze war der Aubacher Nummernsalat“, entfuhr es dem Platzsprecher am Mikro. „Unsere gängigen blauen Trikots sind auch wegen der elf Zugänge noch beim Ligasponsor zur Beflockung. Wir gerieten auf der Hinfahrt in einen Stau und haben das alles mit heißer Nadel gestrickt, aber immerhin noch rechtzeitig beim Schiri die korrekten Nummern gemeldet“, schmunzelt SSV-Trainer Tobias Danecker und betont gleich: „Viele Menschen sind bei uns ehrenamtlich tätig, und manchmal geht auch etwas daneben. Das kann passieren.“

FLUTLICHTCHIP: Immer mehr Amateurclubs nutzen die heutigen technischen Möglichkeiten, um Trainingseinheiten, vor allem aber Spiele ihres Vereins zu filmen. Die SF/BG Marburg schafften jetzt sogar das System „Coaching Eye“ an, das man sich immerhin 1800 Euro kosten ließ. „Wir verwenden das für alle Teams von der Jugend bis zu den Senioren“, verrät Marburgs Trainer Manuel Rasiejewski. Mittels einer Schnur am Flutlichtmast hochgezogen und mit einem Chip ausgerüstet, gelingt später in der Nachbearbeitung ein toller Blick auf die Szenen in der Totalen oder per Zoom. „Da hat man in der taktischen Analyse eine ganz andere Überzeugungskraft gegenüber den Spielern, wenn man gute oder weniger gute Sequenzen vorführen kann“, betont Rasiejewski.

KINDERGARTEN: Malte Christ, Spielausschussmitglied des FV Biebrich , staunte nicht schlecht. „Die Kindergärtnerin meines Sohns, der vor über 20 Jahren in Mainz-Kastel bei ihr im Hort war, rief mich an, weil sie meinte, dass ich irgendetwas mit Fußball zu tun habe“, berichtet Christ. Der Mann einer ihrer Kolleginnen könne ein bisschen Fußball spielen. Ob man ihn gebrauchen könne. Er sei Bosnier und 24 Jahre alt.“ Christ ließ den jungen Mann zum Training kommen und staunte nicht schlecht. Ein 1,99- Meter-Hüne von Hajduk Split II namens Josip Jozic stand vor ihm, der bereits Junioren-Länderspiele absolviert hatte, einen Arbeitsplatz besaß und Deutsch sprach. „Der Junge ist aus unserer Abwehr nicht mehr wegzudenken. Ein klasse Typ, der sportlich und menschlich eine Granate ist. Der Kindergärtnerin sei Dank“, strahlt Christ.

LIGATREUE: Christian Hesse, zuletzt beim TSV Bicken am Ball, spielt künftig für den Nord-Verbandsligisten FC Körle. Dreimal die Woche für das Training und zusätzlich zu den Spielen nimmt er samt Rückreise jeweils 215 Kilometer Fahrt auf sich. Sechs Mal in Folge ist der Wandervogel zuletzt mit seinen Vereinen abgestiegen. Auch Körle steht bereits im Keller. „Gespräche mit den mittelhessischen Verbandsligisten haben sich zerschlagen, und in Körle fühle ich mich wohl. Ich will halt unbedingt Verbandsliga spielen“, erklärt der 24-jährige.

GASTFREUNDLICHKEIT: Die Heimpremiere des FC Cleeberg war mit einem 2:1 über den RSV Weyer geglückt. Werbedurchsagen und ein Sportplatzheftchen, über das sich Gelder generieren lassen, gab es allerdings nicht. Trotzdem fiel auf, wie viele Mitglieder sich im Dienste der Hausherren engagierten, um es den Gästen an nichts fehlen zu lassen. Als Ausweichplatz dient der Kunstrasen in Oberkleen. Eine feine Anlage, allerdings ohne jede Infrastruktur, wie etwa Umkleidemöglichkeiten. Zum Umziehen oder Duschen geht es nach Cleeberg, und in der Halbzeit bleibt man bei Wínd und Wetter draußen. Besserung ist in Sicht. Schon bald wird gebaut und die Infrastruktur angepasst.

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