Eine Bereicherung für die Verbandsliga!


SV Bauerbach spielt in erster Verbandsliga-Saison attraktiv, aber nicht immer erfolgreich

Der Neuling hat die Liga ein Stück weit ansehnlicher gemacht, in manchen Spielen aber auch Lehrgeld bezahlt. Auf dem elften Platz rangierend schwebt der SV Bauerbach kaum in Abstiegsgefahr.

 von Benjamin Kaiser

Bauerbach. Nach einem guten Saisonstart belegte der SV Bauerbach zwischenzeitlich einen sensationellen dritten Platz. Doch das war nur eine Momentaufnahme. Der Aufsteiger rangiert derzeit fast genau da, wo Coach Stefan Frels sein Team vor der Saison verortet hat. Zu Buche steht Rang elf. Und mit neun Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsrang ist der Trainer zufrieden. „Natürlich haben wir Punkte liegen gelassen, aber mit 25 Zählern auf dem Konto haben wir unsere Sache gut gelöst“, sagt er. Ungeachtet der Platzierung ist der SVB eine Bereicherung für die Liga. Mit seiner hohen Geschwindigkeit hat Bauerbach frischen Wind ins VerbandsligaGeäst gebracht. Bereits vor der Saison war abzusehen, dass viele Gegner mit Bauerbachs Tempo Probleme haben dürften. Sprintstärke ist nach wie vor ein probates Mittel gegen jede Defensive. „Schnell spielen ist wichtig, aber zunächst einmal muss das Spiel schnell gedacht werden“, gibt Frels zu bedenken und lobt den Fußball-IQ seiner Schützlinge. Nach dem 2:1-Auftaktsieg gegen den VfB Marburg setzte es am zweiten Spieltag ein 0:5 beim FV Breidenbach, der keine bessere Mannschaft als der SVB ist. Laut Frels ein Weckruf: „Da wurde uns aufgezeigt, was passiert, wenn wir nicht 100 Prozent geben. Dann gibt es deutliche Niederlagen, nicht knappe Siege oder Unentschieden wie in der Gruppenliga!“ Es folgte eine unerwartete Serie von sieben Ligapartien ohne Niederlage, davon wurden vier Spiele gewonnen. Allerdings zeigte sich bereits in dieser Phase, als der SVB zwischenzeitlich Rang drei belegte, die Achillesferse des Teams auf. Denn selbst in dieser erfolgreichen Zeit kassierte der SVB in fast jedem Spiel zwei oder mehr Tore, schoss allerdings auch satte 24 und schwang sich zu einer der gefürchtetsten Offensiven der Liga auf. Ganz nach Frels‘ Kredo: „Ich lasse lieber nach vorn spielen und gewinne ein Spiel 5:3 lieber als 1:0.“ Doch das funktioniert nur, wenn vorne die Bälle auch ins Netz gehen. Auf dem Nährboden von Frels‘ Kredo sorgte der Neuling zwar für einige torreiche Spektakel, doch die Konkurrenz hat den Spieß umgedreht. Denn Verbandsliga-Trainer und deren Spieler würden nicht auf diesem Niveau agieren, wenn sie nicht in der Lage sind, sich auf Gegner einzustellen. „Eigentlich ironisch, dass unsere Gegner angefangen haben, sich gegen einen Aufsteiger hinten rein zu stellen und auf Konter zu spielen“, bemerkt Frels. Dennoch war diese Entwicklung laut Frels nicht unbedingt schlecht. „Das zeigt, dass die Gegner vor uns Respekt haben. Außerdem hatten wir in fast jedem Spiel eine Siegchance. Bei besserer Chancenverwertung und weniger individuellen Fehlern haben wir mehr als 25 Punkte“, sagt der Trainer. Es wurden nicht die gewünschten 30, weil aus den letzten elf Partien vor der Winterpause nur sieben Punkte heraussprangen. Denn während die Chancenausbeute zu wünschen übrig ließ, stabilisierte sich die Defensive nicht. Mit 60 Gegentoren stellt der SVB statistisch die drittschlechteste Defensive der Liga. Löblich ist hingegen, dass Bauerbach Rang zwei der Fairnesstabelle belegt, sich durchschnittlich nicht einmal zwei Gelbe Karten pro Spiel abgeholt und nur zwei Platzverweise kassiert hat. Misserfolg wandelte das Team nicht in regelwidrige Aggressivität um – ein Anzeichen für charakterliche Reife. Allerdings hätte die ein oder andere Verwarnung mehr nicht geschadet. „In manchen Situationen muss man auch mal am Trikot ziehen, um einen Konter zu verhindern. Ein bisschen cleverer sein“, sagt Frels. Taktische Fouls begingen seine Schützlinge selten – ein Anzeichen für noch fehlende Abgezocktheit. Da haben altgediente Teams, die diese Liga eiskalt bespielen, dem SVB etwas voraus. Es darf nicht vergessen bleiben, dass es sich um das jüngste Team in der Liga handelt. Abgesehen von Alban Ademi, Manuel Brehm und Julian Gries ist keiner der Eckpfeiler älter als 25 Jahre. Es ist ein Lernprozess für eine junge Mannschaft. Erste Schritte sind gemacht – es müssen weitere folgen

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