Der Amateurfußball wartet auf Signale aus der Politik


Der Hessische Fußball-Verband legte einen Zeitplan fest, wie es zunächst ohne Spiele weitergeht

Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Frankfurt. Die mehr als drei Stunden lange virtuelle Vorstandssitzung des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) endete am Samstag zwar ohne Ergebnis. Das bedeutet, noch steht nicht fest, ob und wie es im Amateurfußball weitergeht. Immerhin aber legte der Verbandsvorstand einen Zeitplan fest.

Erwartet wird eine Entscheidung nunmehr spätestens Ende Mai auf einem außerordentlichen Verbandstag. Bei dieser dann wohl endgültigen Entscheidung spielen die weiteren Signale aus der Politik und auch die Vereine eine zentrale Rolle.

Zunächst aber hat Verbandsvorstand des HFV am Samstagvormittag diverse Szenarien zum Thema Spielbetrieb und deren Auswirkungen diskutiert und im Zuge dessen Empfehlungen des Präsidiums zugestimmt.

■ Der Spielbetrieb bleibt bis auf Weiteres ausgesetzt.

■ Die für den 6. Mai (kommenden Mittwoch) angekündigten Regelungen der behördlichen Ebenen, also der Politik, für den Sport werden abgewartet, um danach abschließende Beratungen des Verbandsvorstandes durchzuführen. Hintergrund: Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder beraten am Mittwoch erneut über mögliche Lockerungen. Dann wird auch das Thema Sport eine besondere Rolle spielen. Es ist davon auszugehen, dass Lockerungen für den kontaktlosen Sport, zum Beispiel Tennis, Leichtathletik und Golf, angekündigt werden. Da es aber aller Voraussicht nach bei den derzeitigen Kontaktbeschränkungen und Abstandsgeboten bleiben wird, kann der Amateurfußball wohl kaum mit Lockerungen rechnen.

■ Sollte nach dem kommenden Mittwoch keine behördliche Entscheidung hinsichtlich einer weiteren Lockerung insbesondere für den Fußball erfolgen, wird ein Stimmungsbild unter den Mitgliedsvereinen eingeholt. Dazu werden Kreiskonferenzen ausgerichtet, die von den Kreisfußballwarten geleitet und von mindestens einem Präsidiumsmitglied begleitet werden.

■ Das Präsidium selbst führt am 9. Mai eine „Präsidiumssprechstunde“ online durch, zu der sich interessierte Vereine zuschalten können.

■ Eine abschließende Entscheidung des Verbandsvorstands wird für den 16. Mai anlässlich einer erneuten Videokonferenz vorbereitet.

Danach dürfte dann Ende Mai auf einem außerordentlichen (virtuellen) Verbandstag die endgültige Entscheidung fallen, ob und wie die Saison im hessischen Amateurfußball beendet wird.

Bis dahin führen die jeweiligen Regionalbeauftragten mit den Kreisfußballwarten ihrer Region entsprechende Beratungen durch, wie eine Wertung bei einem vorzeitigen Ende der Saison 2019/2020 vorgenommen werden sollte.

Die Ergebnisse werden im Verbandsspielausschuss gebündelt und damit eine einheitliche Empfehlung für den gesamten Hessischen Fußball-Verband erarbeitet, da nur eine einheitliche Wertung sportpolitisch gerecht sei.

Als Grundlage der Diskussion und der Empfehlung des HFV-Präsidiums am Samstag dienten die Ergebnisse der Arbeitsgruppe der HFV-Spielbetriebsausschüsse unter der Leitung von Prof. Dr. Silke Sinning (Frauen und Mädchen), Jürgen Radeck (Senioren) und Carsten Well (Junioren).

Diese enthielten unter anderem einen Rahmenterminplan mit unterschiedlichen Startzeitpunkten für eine mögliche Fortführung der Meisterschafts- und Pokalspiele der Saison 2019/2020 für alle Bereiche.

Auch alternative Spielmodelle, beispielsweise in Form von Halbserien zur Überbrückung von Leerlaufzeiten, wurden in Betracht gezogen. Zudem flossen auch die Aussagen von beauftragten Rechtsexperten für unterschiedliche Szenarien in die Besprechung ein. Berücksichtigt werden muss darüber hinaus, dass eine Entscheidung über die Fortsetzung des Spielbetriebs beziehungsweise das Auslaufen der Runde zum 30. Juni nur unter Berücksichtigung behördlicher Verfügungen sowie der Entscheidungen übergeordneter Verbände möglich ist.

Stand heute hat die für den Hessischen Fußball-Verband zuständige Regionalliga Südwest noch keine Entscheidung getroffen und ist abhängig von der Lösung der übergeordneten 3. Liga, um einen Aufsteiger dafür zu benennen. Dies soll nunmehr auf einem außerordentlichen DFB-Bundestag am 25. Mai entschieden werden.

„Man sieht also, dass viele Faktoren berücksichtigt werden müssen, ehe eine abschließende Entscheidung getroffen werden kann“, sagte gestern Marburgs Kreisfußballwart Peter Schmidt zu den Ergebnissen des HFV-Vorstands. „Nach wie vor heißt es: Geduld haben, abwarten und gelassen bleiben. Wir als Fußballer stehen derzeit ganz hinten dran. Denn immer noch steht die Gesundheit über allem. Ich bin mir aber sicher, dass wir alle eine gemeinsame Linie finden werden“, ergänzte Peter Schmidt. Welche das sein wird, könne er derzeit nicht prognostizieren.

Auch Vereine werden gefragt

DFB-Bundestag am 25. Mai

 

 

 

 

 

 

Einwurf von Michael Schmidt OP Marburg

Abbruch so gut wie besiegelt Q Zum wiederholten Mal hat der Vorstand des Hessischen Fußball-Verbands getagt. Zum wiederholten Mal ging es aufgrund der andauernden CoronavirusPandemie einzig und allein um ein und dieselbe Frage: Wird die Saison 2019/2020 abgebrochen oder fortgesetzt? Zum wiederholten Mal gab es keine Antwort. Zum wiederholten Mal wurde die Entscheidung vertagt. Viele Amateurfußballer von der Hessenliga bis hin zu den B-Ligen werden dafür Verständnis haben, auch wenn sie liebend gern wieder gegeneinander antreten würden. Auch ich kann die Verantwortlichen des HFV verstehen. Solange sie kein grünes Licht seitens der Politik erhalten, die wiederum von der Einschätzung der Virologen nachvollziehbarer Weise abhängig ist, sind ihnen die Hände gebunden. Deshalb kann der HFV derzeit nur diverse Szenarien erörtern, die unter dem Motto stehen: „Was wäre,wenn?“ Da allerdings nach wie vor Abstandsgebote und Kontaktbeschränkungen gelten und diese wohl kaum in absehbarer Zeit aufgehoben werden, müssen sich die Amateurfußballer wohl auf einen Abbruch der Saison einstellen. Alles andere wäre zum Wohle der Gesundheit auch nicht vertretbar. Da hilft es auch nicht, wenn wir uns zurecht über den Sonderweg der Profifußballer echauffieren. Bliebe also nur noch die Frage, wann der Abbruch verkündet wird. Traurig, aber folgerichtig!

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