Sport in Bauerbach
- Die frühen Gründerjahre
45 Jahre Sport im SV Bauerbach heißt nicht, dass erst seit 1965, dem Gründungsjahr des heutigen SVB, organisierter Sport in Bauerbach betrieben wird. Vielmehr hat bereits vor, aber mit Sicherheit nach dem 1. Weltkrieg, ein Sportverein in Bauerbach bestanden. Das bei der Wiedergründung des SVB im Jahr 1965 angenommene Gründungsjahr 1909 (übrigens wie Borussia Dortmund) für den ersten Fußballsportverein konnte nicht sicher nachgewiesen werden. Rechtsanwalt Dr. Ernst Kaufmann, ein gebürtiger Bauerbacher und aktiver Fußballer in den zwanziger Jahren, der mit dem heutigen SVB in den ersten Jahren eng verbunden war, hielt das Jahr 1919 für das Gründungsjahr des ersten Sportvereins in Bauerbach. In Vereinsbesitz befindliche und bei Nachbarvereinen vorhandene Ehrenurkunden zeugen von einer regen sportlichen Betätigung des Fußballvereins Mitte der zwanziger Jahre. Der Fußballverein wurde in den zwanziger Jahren von Heinrich Pfeiffer als Vorstand geführt, Spielausschussmitglied war Joseph Matt. Ein fehlendes, dauerhaft ortsgebundenes Sportgelände, wirtschaftliche Notlage, Militärdienst sowie die politischen Wirren Ende der zwanziger Jahre führten zum Erliegen des Spielbetriebes und der Vereinsaktivitäten. Schülermannschaften trafen sich hin wieder zu Freundschafts- spielen mit Schülern aus den Nachbardörfern.
Nachkriegszeit 1945 –1948
Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges, zwanzig Jahre vor der Widergründung unseres heutigen SVB, wurde der SV Bauerbach als Nachfolger des Fußballsportvereins im Gasthaus Nau (heutiges Pfarrheim) neugegründet. Am 20.01.1946 hatte der Verein bereits 52, Anfang 1947, 63 zahlende Mitglieder. Vorstand war Heinrich Weitzel, Kassenwart Erich Hühn und Schriftführer Pius Jennemann. Dem Spielausschuß gehörte Konrad Hühn I und Konrad Braun I an. Am 24.02.1946 fand das erste Punktspiel in Betziesdorf statt; angereist waren die Spieler mit einem Holzvergaser-LKW, der für 30,--Reichsmark angemietet und für den in der Woche vor dem Spiel Tankholz geschnitten werden musste. Für unsere heutige Generation unvorstellbar!
Hauptanliegen des jungen Vereins war von Anfang an einen dauerhaften Sportplatz als Bleibe zu schaffen. Durch Sammlungen im Dorf und Spenden zwischen 0,50 bis 30,-- Reichmark begannen am 18.02.1946 die Rodungs- und Erdarbeiten auf dem Gelände unseres heutigen Sportplatzes "Auf der Hute". Erdabtrag, Transport und Aufschüttung, alles in Handarbeit, ein schier unmögliches Unterfangen zur Fertigstellung einer bespielbaren Fläche. Neben den Arbeiten am neuen Sportplatz wurde ein regelmäßiger Punktspielbetrieb durchgeführt. Auf angepachteten Wiesen und unter der Woche hergerichteten Spielflächen fanden die Spiele statt. Im April 1946 konnten von einer Berliner Baufirma 7 Kipplohren auf Mietbasis erworben werden; die dazu gehörenden Gleise wurden vom Forstamt Marburg geliehen. Bauerbach wartete auf einen fest zugesagten Bagger einer amerikanischen Pioniereinheit. In großem Stil sollten jetzt die Erdarbeiten voran getrieben werden. Leider kam der Bagger nie in Bauerbach an. Die Einheit war kurzfristig verlegt worden, der Traum von großen Erdbewegungen war ausgeträumt. Trotzdem führten die Mitglieder die Arbeiten per Hand weiter. Die Mannschaft spielte auf Wiesen uns im Herbst auch mal auf einem Stoppelacker. Neben den sportlichen Aktivitäten wurde auch der gesellschaftliche Teil nicht außer Acht gelassen. Familienabend mit eigener Fußballzeitung, die erste Kirmes der Nachkriegszeit (18./19.08.1946) mit angemietetem Tanzboden aus Beltershausen waren zu der damaligen Zeit Höhepunkte in Bauerbach. Die Verbandsrunde überstand der junge Verein jedoch mit viel Schwierigkeiten. Für die Runde 1947/48 wurde zwar eine Mannschaft gemeldet, aber alle Aktivitäten kamen schon bald zum Erliegen. Im Mai hatte man die Kipplohren und Gleise wieder abgefahren. Die Jugend spielte noch das ganze Jahr hindurch und gewann beispielsweise am 11.05.1947 in Cölbe; die erste Mannschaft trug am Himmelfahrtstag wohl ihr letztes Spiel in Rossdorf aus. Einige der Aktiven wechselten zu den Nachbarvereinen Großseelheim, Ginseldorf oder Schröck. Der junge Verein hatte es nicht geschafft. Vereinzelte Spiele gegen Nachbarvereine, organisiert von Jugendlichen wurden immer wieder mal durchgeführt. Der Gesangverein unter der Leitung von Hans Faber stellte bis in die frühen sechziger Jahre eine Handballmannschaft. Trotz vielfältiger Bemühungen um eine geeignete Sportfläche, angefangen vom Bürgermeister, Gemeindevertretung, Jugendgruppe sowie den Lehrern der Schule, führten die Verhandlungen mit dem Forstamt Marburg zu keinen vorzeigbaren Ergebnissen. Wie groß jedoch die Fußballbegeisterung in Bauerbach war, zeigt allein die Tatsache, dass für ein Spiel der Alten Herren auf Gölzhäusers Wiese zwischen Schröck und Großseelheim 1000 Eintrittkarten am Pfingstsonntag verkauft wurden!
Unser heutiger SV Bauerbach
Am Sonnabend, dem 23. Januar 1965 wurde im Gasthaus Nau(heutiges Pfarrheim) wieder ein Sportverein ins Leben gerufen. Um an Tradition und Namen des alten Vereins anzuschließen, wurde von der Versammlung beschlossen, den Verein wieder SVB zu nennen. Gründungsmitglieder und dem Verein bis heute treu verbunden sind: Walter Matt, Gregor Fritsch, Erich Matt, Bernhard Petri, Willibald Damm, Lorenz Damm, Alfred Dörr, Gregor Braun, Wigbert Hühn, Willi Weitzel, Reinhold Gerhard, Paul Weitzel, Reinhold Weitzel, Theo Gölzhäuser, Rudolf Weitzel, Reinhard Pfeiffer und Werner Schüler. Verstorben aus dieser Versammlung sind leider Alois Nau und Eduard Fischer. Als 1. Vorsitzender wurde Willi Weitzel gewählt, er sollte das Amt bis 1992 inne haben. 2. Vorsitzender wurde Reinhold Gerhard, Kassenwart Theo Gözhäuser mit Walter Matt als stellv. Kassenwart sowie mit Schriftführer Paul Weitzel komplettierten die erste Vorstandsriege des SVB.
Zwar setzte sich der Verein überwiegend aus jungen Mitgliedern zusammen; man war sich allerdings einig, auch die älteren Mitbürger wieder für den Fußballsport zu begeistern. Aktive Fußballer wurden zusammengezählt, Mannschaftsausstattung sowie Kosten für den Spielbetrieb wurden ermittelt. Somit begann die Arbeit des Vorstandes. Einig war man sich auch, dass der Standort des neuen Sportplatzes der Platz "Auf der Hute" sein musste, der Ort, wo schon 1946 die ersten Erdarbeiten begonnen wurden. Reinhold Gerhard wurde mit den Planungen beauftragt. Am 6. März 1965 war die zweite Versammlung. Die Zahl der Mitglieder war auf über 40 Erwachsene gestiegen. Dem Verein war vor der finanziellen Seite der Vereinsgründung nicht bange. Den Vereinsfarben WEINROT/SCHWARZ mit weißen Stutzen gab die Versammlung vor vielen anderen Vorschlägen den Vorzug. In den Spielausschuß wurden gewählt: Otto Hühn-Preis, Walter Weitzel, Alois Hühn und Alois Jennemann, die Trainingsleitung übernahm unser unvergessener Bernhard "Buddi" Weitzel. Am 21.03.1965 spielte der "neue" SVB zum ersten Mal und unterlag dem SV Großseelheim II mit 3:2 Toren. Die Torschützen hießen Norbert Hühn (der "Schwarze") sowie Werner Schüler. Ebenfalls in der Bauerbacher Mannschaft ein Neuzugang aus Erfurtshausen: Gregor Fritsch! Gespielt wurde zu dieser Zeit "Auf der Heide"; möglich durch Zustimmung von Konrad Petri sowie durch Anpacht des Grundstückes in der Artzbach, der Platz, der durch Planungen für eine Mülldeponie in den späten achziger Jahren zu einer gewissen Popularität gelangte. Nach umfangreichen Eingaben des Bürgermeisters, Vereinsvorstand, Kreisverwaltung und Forstbehörde gab das Kreiskulturamt (heutige Naturschutzbehörde) grünes Licht für die Neuanlage des Sportplatzes "Auf de Hute". Der erste Spatenstich fand am 28.06.1965 anläßlich eines Frühschoppens statt. Es sollte allerdings bis 1968 dauern, bis endlich der langersehnte Wunsch nach einem eigenen Sportgelände in Erfüllung ging. Der SV Bauerbach spielte in diesen Anfangsjahren seiner Neugründung mit viel Begeisterung und Elan in den verschiedenen B-Klassen. Es wurde mit Johannes Stei ein Trainer verpflichtet, der zunächst kostenlos Training und Spiele leitete. Das erste Punktspiel wurde beim FSV Cappel mit 3:2 verloren.